8. Pylon der Hatschepsut

Senkrecht zur Hauptachse des Tempels, etwas abseits von der Hauptstoßrichtung der guides, liegen weitere vier Pylone. Der älteste von ihnen ist der 8. Pylon, den Hatschepsut erbauen ließ. Bevor man sich ihn ansieht, sollte man auf jedenfall kurz umdrehen und die Südfassade der Säulenhalle betrachten. Dort findet man eines der bedeutenden Dokumente der Weltgeschichte: den ersten Friedensvertrag zwischen Großmächten, zwischen Ägypten und Hatti.

Kollossalstatue vor dem 8. Pylon

Beinahe hätte ich diesen Bereich gar nicht betreten, weil er abgesperrt wirkte. Einer der Aufseher ermutigte mich jedoch ausdrücklich näherzutreten und mich umzusehen. So sah ich z.B. auch die Statuen auf der Rückseite des 8. Pylons, deren Identitiät unbekannt und angesichts wechselnder Beschriftungen einigermaßen verwirrend ist: Hatschepsut behauptete, der Pylon sei von Thutmosis I. errichtet worden, ihrem Vater. Thutmosis III., ihr Stiefsohn, ließ das in seiner Regierungszeit korrigieren, Echnaton schlug sowieso alles weg das ihm nicht passte und Sethos I. restaurierte wieder nach Kräften. Die Bewahrung geschichtlichen Erbes war damals noch nicht in Mode. Ähnlich verfuhren in Karnak aber alle Bauherren - erweiterten, rissen ab, füllten ihre Bauten mit dem Schutt der alten. Für normale Menschen ist das Durcheinander der verschiedenen Baukörper und -etappen praktisch unverstehbar.

Ein schönes Beispiel dafür bildet auch der 9. Pylon, den Haremhab errichten ließ und der eigentlich ganz gut erhalten war. Da er aber mit interessantem Schutt gefüllt war, wurde er jetzt zwischenzeitlich abgetragen, geleert und wird wieder aufgebaut. Wie mir der Aufseher zeigte, hat man von hier auch einen netten Blick zum Chons-Tempel und dem Tor des Euergetes nach der einen Seite und dem Heiligen See nach der anderen Seite.

9. Pylon in Karnak Euergetes-Tor und Chons-Tempel Heiliger See in Karnak Amun und Mut am 9. Pylon in Karnak

Von nah wirkt der See übrigens weit weniger heilig, weil sich einigermaßen Müll in dem abflusslosen Gewässer angesammelt hat. Früher, als noch die heiligen Gänse des Amun dort gründelten, wird es wohl deutlich anders gewesen sein.

An der Außenfassade des 9. Pylon findet man wie üblich u.a. Amun und seine Gattin Mut. Das passt auch schon deshalb, weil die Prozessionsstrasse durch die Pylone direkt auf den Mut-Tempel am Ende der Widdersphingenallee führte. Dieser Tempel ist jetzt allerdings nicht zugänglich. Vielmehr endet der aktuell zu besichtigende Teil am 10., auch von Haremhab errichteten Pylon.

10. Pylon von Karnak