Das Freilichtmuseum liegt etwas seitlich des Karnaktempels und erfordert eine eigene Eintrittkarte. Man findet hier nicht die ganz großen Tempelbauten, aber verschiedene kleinere Schätze und ein Lapidarium, in dem man selbst auf Spurensuche gehen kann.

Zu den wichtigsten Bauten gehören hier die Weiße Kapelle Sesostris I., die Rote Kapelle Hatschepsuts, die Alabasterkapelle Amenophis I. und die Kapelle Thutmosis III..

Die Weiße Kapelle

Weiße Kapelle Sesostris I. Die sogenannte Weiße Kapelle ist eins der ältesten Bauwerke im Tempel von Karnak und wurde - wie viele andere Kunstwerke auch - in Einzelteilen im Füllmaterial eines Pylons entdeckt. Sie wurde schon im Mittleren Reich unter Sesostris I. errichtet und gilt als kunstvollste Kapelle von Karnak. Sie erhielt ihren Namen von dem weißen Kalkstein, aus dem sie errichtet wurde und ist normalerweise etwas vor den Besuchern abgesperrt. Ein freundliches Wort kann aber auch ganz ohne Bakschisch dazu führen, dass der Aufseher die Seile abnimmt und man die wertvollen Reliefs ganz nah betrachten kann.

Pfeiler der Weißen KapelleNatürlich dient auch dieser Tempel der vorteilhaften Darstellung des Königs mit all seinen Titeln und in Gesellschaft der Götter. Aber hier sind sie ganz ungewöhnlich kunstvoll ausgeführt, auch die allerkleinsten Details sind im Kalkstein ausgeführt worden.

 

 

 

 

Daneben ist die Kapelle auch wichtig für ihre Informationen zu Verwaltungseinheiten: ihre Lage, Größe, Hauptgötter sowie die normalen Wasserstände des Nil. Auch ohne die genaue Bedeutung zu verstehen, sind die langen Zahlenkolonnen an den Seiten identifizierbar - bürokratisches Auftreten ändert sich auch in 4000 Jahren nicht. Wer sie im Detail nachvollziehen möchte, kann die Übersetzung hier nachlesen.

Gauliste an der Weißen Kapelle

Die Rote Kapelle

Rote Kapelle in KarnakAuch diese Kapelle wurde als Füllmaterial für den 3. Pylon in Karnak verwendet - eine zeitweilige Zerstörungsaktion, die aber in der Tat die Kartuschen der Herrscherin Hatschepsut vor der Ausmeißelung späterer Jahre bewahrt hat. Ihren Namen hat die Kapelle vom roten Quarzit, aus dem sie auf einer Basis von schwarzem Granit errichtet wurde. Sie besteht aus unterschiedlich großen Blöcken, die wahrscheinlich bereits im Steinbruch minutiös geplant wurden. Viele davon findet man heute mit Reliefs verziert vor, andere sind anscheinend bei der Restaurierung ergänzt worden. Hier findet man dann auch Darstellungen von Hatschepsut mit vollständigem Namen, aber als Mann dargestellt und "Sohn" der Sonne.

Unabhängig von der Kapelle findet man im Lapidarium auch einen der seltenen Verweise auf Thutmosis II., Hatschepsuts Ehemann und Amtsvorgänger. Seine Regierungszeit war möglicherweise sehr kurz, auf jeden Fall unspektakulär. Verschiedene Überlieferungen lassen vermuten, dass weder seine Beamten noch seine Frau ihm ein langes Leben gewünscht haben...

Thutmosis II.

Der Alabasterschrein

 Alabasterkapelle Amenophis I. Amenophis I.

Der Alabasterschrein ist außerordentlich wertvoll und außerordentlich merkwürdig. Errichtet von Amenophis I., besteht er aus sehr feinem, kostbaren Alabaster, das nur selten in so großen Stücken gefunden wird. Es ist sehr stark gemustert und mit kleinen Löchern und Rissen durchsetzt. Heute, nachdem die sicher einmal vorhanden gewesene Farbigkeit verschwunden ist, kann man die Reliefs deshalb kaum erkennen. Als die Farbe noch vorhanden war, verdeckte sie aber das wertvolle Material. War es also gar nicht wichtig, den verbauten Reichtum zu sehen, ging es wirklich nur um die "inneren Werte"? Wahrscheinlich werden wir es nicht erfahren.

Weiteres

Thutmosis-Kapelle in Karnak Thutmosis III. Sechmet

Es gibt noch diverse andere kleinere Gebäude und Einzelstatuen auf dem Freilichtgelände. So z.B. eine Kapelle von Thutmosis III. sowie sein Portrait in Assuan-Granit.

Daneben finden sich noch diverse andere Gebäude in unterschiedlichen Stadien des Wiederaufbaus und des Zusammensuchens ihrer Einzelteile. Unter anderem gehört dazu eine Anzahl nahezu identischer Sechmet-Statuen, von denen einige schon in der Welt verteilt sind.


Schwertransport
Und dann gibt es dann noch die Fußnoten, die eigentlich nicht direkt Ausstellungsstücke sind. Sehr stabil gebaute stählerne Loren werden heute über Schienen gerollt, um auch nur Bruchstücke der Steine zu transportieren. Als sie gerade neu waren, gab es keinen Stahl, keine Schienen und keine stabilen Räder. Im Grunde nicht einmal Baumstämme, die vor Ort gewachsen wären. Jedes Stück Bauholz war von ferne herangeschafft, jede Bewegung war Muskelkraft. Den ungeheuren Aufwand an Kraft und Mühe zum Bau ganzer Tempel können wir heute nicht mehr ansatzweise ermessen.