stehender Hatschepsut-Oblelisk in Karnak

Hatschepsut, deren großen Tempel in Deir el Bahari man gegenüber auf der anderen Nilseite erkennen kann, ist eine Frau, die mit Sicherheit ein außergewöhnliches Leben geführt hat und sehr wahrscheinlich auch lange von den Ägyptologen fehlinterpretiert wurde. Noch heute lieben die Touristenführer die reißerischen Storys über den angeblichen Palastkrieg zwischen ihr und ihrem Ziehsohn Thutmosis III., der wahrscheinlich nie stattgefunden hat. Aber eine Seifenoper garantiert halt gute Quoten.

Sicher ist, dass Hatschepsuts Nachfolger versucht haben, sie aus dem Gedächtnis der Welt zu streichen. Über die Gründe dafür wird spekuliert, aber ich finde die These von Frau Desroche-Noblecourt recht plausibel, die davon ausgeht, dass Hatschepsut nie formal Königin war und diese Rolle nur geduldet wurde, weil der wahre Pharao noch ein Kind war. Demzufolge hat ihr Name dann in den Königslisten wirklich keinen Platz. In jedem Fall wird man verschiedene ihrer Werke finden, aber nur selten ihren Namen. Er ist meist entweder ausgemeißelt oder sogar durch andere ersetzt worden.

Ein weithin sichtbares Zeichen ihrer Bautätigkeit ist auf jeden Fall der große Obelisk, der eingeklemmt zwischen Mauern im Tempelgelände steht. Er ist der größte Obelisk Ägyptens und hatte früher noch ein Pendant, das allerdings bei einem Erdbeben stürzte und nun liegend zu besichtigen ist. Schon zur Zeit der Errichtung dieses Obelisken war Karnak so vollgestopft mit Bauten aller Art, dass er innerhalb eines bestehenden Gebäudes errichtet wurde. Wahrscheinlich waren es die technischen Schwierigkeiten der Errichtung, die währenddessen zu einem Wechsel des obersten Baumeisters führte. Senenmut, der diese Funktion anfangs innehatte, wurde abgelöst - ob freiwillig oder unfreiwillig, ist nicht bekannt. Aber meines Wissens gibt es auch heute keine Ingenieure, die mit den (bekannten) Mitteln der alten Ägypter in der Lage wären, so große Steine bruchfrei zu transportieren und dann auch noch stabil aufzurichten. In dem Fall auch noch über eine bereits bestehende Mauer.

Liegender Hatschepsut-Obelisk

An dem bei einem Erdbeben gestürzten zweiten Obelisken kann man aber noch die Inschriften bewundern - selbst wenn man sie nicht versteht. Sie wurden so sauber in den harten Granit geschlagen, als hätte sie in Laserdrucker geschrieben. Nach dreieinhalbtausend Jahren sehen sie noch aus wie neu und glänzen in der Sonne, wenn man den Staub abwischt. Und sie wurden erstellt mit Meißeln aus Stein und Kupfer.

Hier finden wir die ersten Zeichen der Auslöschung. Ganz sichtbar wurde hier eine Königskartusche unleserlich gemacht, es war aber wohl diesmal nicht die von Hatschepsut, sondern möglicherweise von Cheper-Men-Re, also Thutmosis III.. Daneben steht der Name von Sethos I., den Hatschepsut dort bestimmt nicht einmeißeln ließ, weil er erst 200 Jahre nach ihr geboren wurde.

Allerdings findet man an der Obeliskenspitze auch einen der wenigen Verweise auf Hatschepsut, die der Zerstörung entgangen sind. Hier steht ihre Kartusche klar und deutlich neben der Darstellung Amuns, der sie segnet, während sie die blaue Krone Ägyptens trägt.

Obeliskenspitze mit Hatschepsuts Kartusche

An einer Wand des Tempels findet man eine weitere Darstellung Hatschepsuts, die allerdings so sorgfältig und kleinteilig ausgemeißelt wurde, dass eigentlich alles noch lesbar ist, einschließlich ihrer Kartusche. Es ist erstaunlich, dass die Zerstörung trotzdem als Zerstörung "galt" seinerzeit. Hier jedenfalls wird sie von Horus und Thot mit dem Wasser des Lebens überschüttet.

Weitere Relikte von Hatschepsut finden sich im Freilichtmuseum an der Roten Kapelle.

Hatschepsut-Wand in Karnak