Die Große Säulenhalle von Karnak

Die Große Säulenhalle ist der berühmteste und beeindruckendste Teil des Amun-Tempels. Als Sethos I. den Thron bestieg, fand er zwei Reihen von je 6 riesigen Säulen vor, jede 23 m hoch und mit einem Umfang von 10 m. Als wären diese nicht bombastisch genug, erweiterte er den Bau zu einer ganzen Säulenhalle, von der er jedoch nur den nördlichen Teil vollenden konnte. Den südlichen Teil erbaute dann sein Sohn Ramses II. in der seiner Zeit eigenen Philosophie: Masse statt Klasse. 134 Säulen tragen jetzt die Decke, die in Teilen noch vorhanden ist.

Ob jetzt die Säulenhalle schön ist, ist sicherlich nicht einfach zu sagen, zu nah stehen die Säulen, um wirklich gewürdigt werden zu können - und zu viele Touristen strömen meist auch herum. Frühmorgens und mittags ebbt der Strom dann etwas ab, dann kann man die majestätische Wucht voll auf sich wirken lassen. Vielleicht stehen die Säulen auch deshalb so dicht, weil sie einen Papyruswald darstellen und früher auch während der Nilflut tatsächlich mit den Basen im Wasser standen.

Das Wasser war es auch, das aus dem Grund eindrang und die Fundamente so zersetzte, dass Säulen und Wände nach 3000 Jahren in sich zusammenfielen. Seit mittlerweile über 100 Jahren wird an der Säulenhalle rekonstruiert, dass sie uns wieder einen Eindruck von ihrer alten Pracht vermitteln kann. An den von der Sonne geschützten Unterseiten der Deckenbalken und manchen anderen Stellen kann man noch die alten sehr bunten Bemalungen erkennen.

Rechit, das einfache Volk

Die Texte und Darstellungen auf den Säulen sind großenteils Propaganda - auch wenn wenn sie so gut aussieht wie hier: Das einfache Volk - ein Kiebitz mit Armen - betet Ramses II. an. Das könnte man auch dann erkennen, wenn man es nicht lesen kann. Ein einfacher Vergleich mit dem nördlichen Teil der Halle macht es klar, auch an den Außenwänden. Hier hat Sethos I. z.B. seinen Krieg gegen die Festung Canaan darstellen lassen. In kleinteiliger Arbeit sieht man die besiegten Krieger, die abgeführten Gefangenen und die Zedern, die als Tribut an Ägypten geschlagen werden.

gefesselte Gefangene Sethos I. erobert Canaan

Die Arbeiten Ramses II. an der südlichen Außenwand können da nicht mithalten. Hier wird er von verschiedenen Göttern zum König Ägyptens gekrönt.

Götter krönen Ramses II. Friedensvertrag Ägyptens mit dem Hethiterreich

Allerdings sollte man auch gerecht bleiben: Es gibt einige historische Leistungen Ramses II., die Bestand haben und eigentlich allen Touristen gezeigt werden sollten - was leider aktuell nicht der Fall ist. Denn zu Ramses' Zeiten gab es einen großen Erbfeind, das Reich der Hethiter. Beide Reiche lieferten sich erbitterte Kriege, bis irgendwann klar war, dass schon wegen des logistischen Aufwandes keiner den anderen besiegen konnte. Unter tatkräftiger Mithilfe der Königinnen beider Seiten wurde deshalb der erste Friedensvertrag unter Weltmächten geschlossen, in dem alle Feindlichkeiten beendet und stattdessen Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung vereinbart wurden. Und er wurde nicht nur an der Tempelwand eingemeißelt, er wurde auch eingehalten.

Sethos I. und Ramses II.