Götterbarke in Medinet Habu
Eine Götterbarke, bei der ich mir nicht sicher bin, wem sie geweiht ist. Es könnte sich angesichts der Falkenköpfe um die Horusbarke handeln, die geflügelte Sonnenscheibe weist allerdings auch auf Re bzw. Re-Harachte hin. Ich bin aber nicht sicher, ob dieser Zusammenhang so gelten kann oder nicht.
In jedem Fall handelt es sich um eine der kleineren Barken, die von Priestern getragen wurden, nicht gerudert. Deutlich sind die Trageholmen zu erkennen und der Sockel, auf dem die Barke ruht.

Zur Zählung abgeschlagene Hände Zählung der PenisseDie Zeiten waren kriegerisch unter Ramses III., das zeigen die Darstellungen vielfach. Dieses Ritual hier ist allerdings schon älter und ausgesprochen einleuchtenden Beispiels ägyptischen Ordnungssinns. Es geht nämlich darum, die Truppen und Einzelkrieger für ihre Leistungen entsprechend zu ehren und natürlich auch sämtliche Vorgesetzte bis hoch zum Pharao sollen sich den Ruhm selbst an die Brust heften können. Also muss gezählt werden. Allen erschlagenen Feinden werden also die rechten Hände abgeschlagen, die man weitaus leichter vorweisen, transportieren und und stapeln kann als den kompletten zum Tode beförderten Gegner.
Außerdem ergibt sich aus den Händen das Problem, dass sie ziemlich wenig über ihre ehemaligen Träger aussagen - am Ende waren es ägyptische Kameraden, die eigentlich der Feind erschlagen hatte? Um das jetzt auch auszuschließen, gab es noch eine weitere Methode: nicht Hände vorzuweisen, sondern Penisse. Denn schon damals ließen sich die Ägypter beschneiden, anscheinend im Gegensatz zu ihren Nachbarvölkern. Oder jedenfalls einigen von ihnen. Und indem man jetzt nicht beschnittene Penisse aufstapelt, ist klar, dass ihre vormaligen Besitzer Feinde waren.
Man mag sich vor dem Hintergrund heutiger Medizin vorstellen, dass wohl nicht jeder tot war, als ihm die entsprechenden Körperteile abgeschnitten wurden. Aber womöglich war es dennoch human, so vorzugehen. Der Blutverlust sorgt in beiden Fällen sicher für ein schnelles Sterben.
Rings um die abgeschnittenen Körperteile sieht man Bogen, Striche und Kringel auf den Reliefs. Hierbei handelt es sich um Zahlen, denn wir erinnern uns - es geht um korrekte Buchhaltung im Kriege.

erschlagener Lybier Peleset
Stereotypen sind keine Erfindung der Neuzeit. Und so, wie alle Pharaonen und ihre Gemahlinnen in jedem Alter eine beneidenswerte Figur hatten, sahen sich auch die Feinde zum Verwechseln ähnlich. Links z.B. erschlagene Lybier, die ich der besseren Erkennbarkeit halber einmal aufrecht gedreht habe. Sie sind an den spitzen Bärten und den seitlichen Zöpfen zu erkennen.
Rechts wird ein Peleset gefesselt abgeführt, Vertreter eines Volkes, mit dem es damals schon einigen Ärger gab. Sie gehörten zu den Seevölkern, die seinerzeit in Ägypten einfielen und einige Schwierigkeiten verursachten. Manche Völker wurden vernichtend geschlagen, andere auf gut-ägyptisch vereinnahmt und befriedet. Die Peleset wurden angesiedelt in Palästina, wo sie später als Philister bezeichnet wurden und heute als Palästinenser.



Die Götterbarke mit ziemlich ungewöhnlicher Besatzung. Erwarten könnte man hier die Neunheit der Götter und einige Mitglieder scheinen auch zu stimmen, wie z.B. Osiris. Es sind aber 8 Götter, die dann vielleicht die Achtheit von Hermopolis darstellen könnten. Allerdings müssten dann hier 4 Göttinnen zu sehen sein, nicht zwei. Wahrscheinlich ist es also eine willkürliche Zusammenstellung von Göttern, unter denen sich Maat, Hathor, Thot, Osiris und Atum befinden.

Opferstier
Die letzten Minuten im Leben eines Opferstieres. Nachdem er sichtbar gemästet wurde, führt man ihn nun zur Opferstätte, um seine kultische Bestimmung zu vollenden. Die Szene wirkt recht entspannt - heutzutage bringt man Stieren größeren Respekt entgegen. Wer weiß - die ägyptischen Ärzte waren fähige Leute, vielleicht wurde das Tier mit Drogen ruhig gestellt, vielleicht reichte auch zur Dämpfung des Temperaments das sichtbare Übergewicht des Tieres.

Stierjagd in den Sümpfen

Das Bildnis eines wahrhaft königlichen Sports: der Stierjagd. Es mag auf den ersten Blick nicht sehr beeindruckend erscheinen, aber man muss sich die Möglichkeiten der damaligen Zeit ins Gedächtnis rufen: Die Waffen gegen eine Tonne geballter Kraft waren Pfeil und Bogen, Speer und Lasso. Man muss sicher einen guten Lehrmeister gehabt haben, um sich sportlich in eine solche Gefahr begeben zu können. Unten im Bild wird Ramses von diversen Prinzen unterstützt, deren Leben aber womöglich weit weniger kraftbetont war. Es starben einige von ihnen noch im Kindesalter.

Ramses III. mit der Atef-Krone Sperlinge in Medinet Habu
Der vorgebliche und die wahren Herrscher des Tempels - Ramses in prachtvoller Selbstdarstellung, Hausspatzen entspannt in Familie.

 

Der Tempel von Medinet Habu